ALLöF WIRD GUT - Der Schlüssel

Auf Anhieb begreife ich, warum manche Menschen immer größere Autos kaufen, um immer größere Futtersäcke für ihre Pferde zu transportieren, die proportional zum Gewicht der Reiter immer dicker werden. Warum ihre Autos nicht in ihre Parklücken passen, und die Versicherungsbeiträge nicht zum Einkommen. Unser Mangel an räumlichem Vorstellungsvermögen.
»Ein Bier geht immer. Zwischen Leber und Milz …«
Das Auto hätte eigentlich ein Sprinter sein sollen, und das Bike eine 125er, Motocross für Nachwuchs. Aber eigentlich ist eigentlich ein Wort, das es eigentlich nicht geben sollte. Wäre mir zu diesem Zeitpunkt bekannt gewesen, welchen Plan Simon hatte, um das eine Fahrzeug in das andere zu verpflanzen, hätte ich Enthaltsamkeit geschworen. Alkoholische, eigentlich. Was unser kleines Verladeproblem anging, schwebte mir nun, praktisch, wie ich bin, so etwas wie ein Wagenheber vor; oder ein Galgen mit Kette dran, wie man ihn braucht, um Motoren aus einem Unfallwagen zu heben. Manche mitsamt Fahrer. Es musste von solchen Kränen auf dem Gelände reichlich geben. Dachte ich. Als nach reiflichem Abwägen von Aufwand und Nutzen und drei Dosen e500 der Plan zusammen schrumpfte auf: »Hau-hupp! Ich vorne, du hinten.«

Und dann brach der Schlüssel ab. Reine Vorsichtsmaßnahme des Toyota, nehme ich an. Keine große Sache, nichts, was man nicht löten könnte. Simon nuschelt. Ich hatte im ersten Anlauf tatsächlich töten verstanden: Nichts, was man nicht töten könnte. Die Antwort vom Beifahrersitz, wenn man fragt, ob von rechts was kommt. So, wie er da steht, hat Simon einen Plan. Er nennt ihn ›B‹. Alle Pläne im Leben des Simon A sind Plan ›B‹. Man braucht sich nur einmal gewandt auf seinem Schrottplatzareal um die eigene Achse zu drehen. Man ist umgeben vom Scheitern der Technik und des Menschen, der sie zu bedienen versucht. Mittendrin der Matador, dem es nicht gelingt, das alles abzubauen und einzuschmelzen. Als man ihn anrief, ob er die 125er hätte, egal in welchem Zustand, muss er mit der selben Floskel aus seinem zehn Sätze für den Schrottplatz - Vokabular Nummer zwei ausgewählt haben: »Klar, hammwer.«
ALLöF WIRD GUT ...
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Simon stammt aus einer Serie, die noch gedreht werden muss. Er ist ein speckiger Fratz von eins-fünfundsechzig mit runden Augen, abstehenden Ohren, zwei riesigen Füßen im Schatten und zwei Händen, die abwechselnd irgendwas tun, das Simon erst mit Verzögerung bemerkt. Im Augenblick wühlt seine Hand in ihrer ausgebeulten Garage neben dem Hosenlatz und fördert einen Schlüssel nach dem anderen zutage. Audi, BMW, Benz, Skoda, Postfach, Gabelstapler, Lada, Lada, Seat, Maul, Ring, Ford, Tempo. Das Talent eines Rappers schlummert ungenutzt in diesem Blaumann. Ich sehe Simon Bleu in seinem Öldress auf den Quais d’Anglais flanieren. In seinem nächsten Leben. Plan ›B‹ heißt diesmal Löten.
Drei e500 später plus eine cl33, die noch am Schraubstock stand, ist der Schlüssel wieder schön. Was heißt hier schön? Er ist jetzt schöner. Und außerdem zum Teil aus Edelstahl. Und das Herz ist auch wieder dran. Der Kofferraum sprang von selber auf. Darin ein Biwaksack und in dem Biwaksack ein guter Zentner Mobiltelefone. Ein Querschnitt, bei genauerem Hinsehen, durch das, was in einer S-Bahn morgens im Berufsverkehr so wegkommt. Die Leute gehen ja unachtsam mit ihren Wertsachen um. Als Fahrer von ›dett Janze‹ legt sich mein Gehirn in Falten und danach ein solides Alibi zurecht: »Das Zeug stammt sicherlich von einer Fundsachenversteigerung.«
»Sicherlich«, antwortet Simon und gibt meinen Zweifeln eine Melodie. So wie er da steht, fehlt ihm nur die Mütze zum Zollbeamten. Die Skepsis wurde ihm wahrscheinlich schon in der Grundschule ins Gesicht gemeißelt.

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