ALLöF WIRD GUT - Nichtraucher

Ich habe ein Infoblatt. 131 Insassen sitzen demnach zur Zeit ein. Wer von ihnen durch die Tür hereinkommt, wird von einem Schwall Trübsinns an die Rückwand genagelt und zappelt dann solange, bis ihm einfällt, sich so unauffällig wie möglich zu verhalten, als wäre man schon hundert Jahre hier. Der Joker ist, dass niemand keinen kennt. Man hört lediglich Gemunkel, wer gerade ›drin‹ sein soll. Mich hat eine indiskrete Nachtschicht über Einzelheiten in Kenntnis gesetzt. Demnach sind zur Zeit drei prominente Straftäter an Bord, zwei davon wegen Mordes. In beiden Fällen war wohl blinde Wut und ein Hammer im Spiel, der dritte hat angeblich auf die klassische Art aus Eifersucht Frau und Kinder erstochen. Nighttalk am Rande der Anamnese. Man könnte meinen, es sei von einem Film die Rede. Roberto Rodriguez. Irgendwas mit schönen Frauen, Vampiren und Blut.
Aus der Anonymität der Neuzugänge entwickelt sich demzufolge gleich an der Aufzugstür ein munteres Beruferaten. Und das auf beiden Seiten. Wer ist der Neue? Und wer sind die Alten? Und welcher Spezies gehören sie an? Da es keine Sitzordnung gibt, lässt man sich zur Sicherheit an einem Tisch nieder, von dem aus man die anderen und den Fernseher gleichermaßen gut im Blick behält: damit einem keiner mit dem Dolch in den Rücken fallen kann. Auf moderatem Breitbild - man will ja die Insassen nicht mit Publicviewing belohnen - bekriegen sich Showgrößen aus vergangener Zeit. Alles auf einmal im Blick zu behalten, erweist sich als strategisches Problem, weil wie gesagt, der Philodendron stört. Dafür schützt mich eine grüne Betonsäule vor visuellen Attacken von ultrarechts. Da hockt einer, der mindestens blind sein muss, oder seine Augen gehorchen einem übermenschlichen Willen. Ein Jedi.
Ich spüre ein psychosomatisches Gruseln im Leib. Entweder versucht der Bursche, den Philodendron im Kübel wiederzubeleben, oder er hat ihn totgestarrt. ALLöF WIRD GUT ...
... auch das mit den Zähnen:

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Wer zwischen ihm und dem Ziel seiner Blicke unvorsichtig durchläuft, wird sicherlich in zwei Hälften geschnitten. Die Wände müssen gepanzert sein. Vom Bildschirm aus der Skulptur der Topfpflanze gegenüber scheint das soziale Zentrum am Ort die Raucherkabine zu bilden. Das Zugeständnis an politische Korrektheit im Vollzug ist wie eine Heimsauna aus dem Baumarkt in eine Ecke des kargen Raums geklebt. Die Tür hat einen mechanischen Schließer, weshalb die Raucher, wenn sie die Kabine betreten, einen Stuhl dahinter klemmen und dann brav drinnen ihren Stengel wegdampfen. In der Kapsel wird dann auch schon mal geredet.
Wie alles, was mit Vorschriften zu tun hat, sollte man den Sinn nicht hinterfragen. Dem Anschein nach riskiert, wer den Weg in die Kabine schludert, weil die Tür ja ohnehin offen steht, hier draußen einen Feueralarm. Wahrscheinlich ist sowas mit einer Rüge verbunden. Man wird in Deutschland, sagt der Jedi später, für Vergehen gegen Mülltrennung und Nichtraucherschutz härter bestraft als für Kindesmissbrauch. Der Albaner sitzt wegen Verdachts auf Menschenhandel ein, muss es also wissen. Weil der Mann sich so erstaunlich gesprächig zeigt, vermute ich irrig, dass er die erwähnte Vertrauensperson sein müsse, der Ansprechpartner, der mir bei Bedarf einen Koran besorgen kann. Zigaretten oder einen dreizehnjährigen Stricher.

So also hat man sich einen Sonntag in der JVA vorzustellen.

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