ALLöF WIRD GUT - Wenn du es sagst

Der Ernst der Lage ist immer ein Überraschungsgast. Selbst dem, der sich den Pistolenlauf in den Mund schiebt, dürfte jede Vorstellung fehlen für das, was nach dem Klick und dem Bumm kommt. Und wenn es dann soweit ist, hilft allein der Umstand die wahre Natur der Ereignisse zu begreifen, dass man nach dem Klick das Bumm nicht mehr abwenden kann. Die allumfassende Hilflosigkeit gegenüber dem Unabwendbaren löst den eigentlichen Schock aus, nicht zwanzig Gramm Blei im Kopf. Oder einundzwanzig Gramm Seele, die fehlen. Ein unbedachtes Wort, eine ausgerutschte Hand. Der Weg ist erst dann zu Ende, wenn man sieht, dass er zu Ende ist, vorne und hinten. Als ich den Raum verließ, lagen drei meiner Backenzähne unter dem Stuhl. Ein Missverständnis, das selbst für einen Dentisten nicht mehr elegant aus der Welt zu schaffen ist.
Der Tag hat sich für den Boss dennoch gelohnt. Er konnte mir in professioneller Geduld ein paar Grundwahrheiten vermitteln. So zum Beispiel seine Arbeitsweise und die Quote des Erfolgs, wenn man ihn als solchen verbuchen will. Dass nämlich hier keiner heraus kommt, der nicht gestanden hätte. Will sagen, alles gestanden, was eine umtriebige Behörde vorher bereits wusste und hier an Ort und Stelle nur zu verifizieren war. ALLöF WIRD GUT ...
... auch das mit den Zähnen:

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Unsere Spezialklinik zur Wahrheitsfindung ist ›Camp Crystal‹, und der Vormittag Lebenserwartung, den ich dieser menschenrechtsverletzenden Einrichtung innerhalb europäischer, also rechtsstaatlicher Grenzen zugebilligt hätte, beläuft sich auf gut und gerne schon zwölf Jahre. Was eine Menge Geständnisse sind, und eine lange Schlange von Terroristen, die dem Dschihad ganz sicher keinen Dienst mehr erweisen werden. Wir können so viele Fanatiker ausheben, wie wir wollen, Camp Crystal hat für alle Platz. Und wenn die Behörden des uns umgebenden Gastlandes davon wissen, gucken sie willentlich weg. Zeit, seinen Illusionen den Abschied zu geben. Mohammed ist tot.
Und die Demokratie krückt dem Propheten hinterher. Neben psychologischem Beistand ist medizinische Erstversorgung das letzte, das ein Mann braucht, solange er noch das Wort ›unschuldig‹ stammeln kann. In dem Moment, wo man begreift, dass ausser einer Tracht Prügel niemand kommt, wenn man Mama schreit, spielt es auch keine Rolle mehr, ob man Hunger, Durst oder einen Nabelbruch hat. Man braucht nie alle seiner Illusionen, und auch nicht alle seine Zähne. Und jeder Fachmann wird bestätigen, dass man das, was raus soll, am besten gleich rückstandslos entfernt. Keine halben Sachen. Keine Fragen. Keine Hoffnung. Willkommen in Guantanamo. Nur eben nicht in der kubanischen Dependence. Auch dort ist nie was rausgekommen, was man als Mensch bezeichnen könnte.

Man darf nie zu früh aufgeben, heißt es.

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