ALLöF WIRD GUT - Vollgas!

Das Offensichtliche nimmt niemals jemand wahr, sonst müßte man dem ganzen keinen Namen geben. Derjenige allerdings, der das Offensichtliche als erster beim Namen nennt, kriegt meistens auch den Arsch voll. Es sind daher Momente, in denen ein kluger Mensch sich verkneift, den Besserwisser heraus zu kehren. Es ist die Zeit für erste Schritte und goldene Brücken. Man sammelt seine Zähne in die Tasche und trennt sich ohne Groll. Wenn man klug ist.
Die Wachmannschaft ist ratlos. Ein weisses unter den schwarzen Schafen? Der Zivilist wird geholt. In Uniform lässt sich schlecht denken. Um die Ratlosigkeit nicht in ungesunde Bahnen zu leiten, halte ich meinen Mund. ›Ich hab’s doch gesagt‹, klingt sowieso in allen Sprachen der Welt nur nach dem Geheul dessen, der die dickste Backe hat, Nasenbluten und die wenigsten Zähne. Tragischer Humor wie die einsame Trillerpfeife eines Verkehrspolizisten in der Wüste: die Cowboys begreifen, dass sie auf dem Holzweg sind, bekakeln das Ganze und einigen sich, nichts gemerkt zu haben. ALLöF WIRD GUT ...
... auch das mit den Zähnen:

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Die Achterbahnfahrt geht weiter. Nur wird ab sofort im Rahmen eines neuen Hygieneprogramms auch unterhalb der Ohren geschoren.
»Wir gehen auf volle Kraft«, gab Francis Scobee der Bodenkontrolle durch. Minuten später verglühte er in der Atmosphäre. Ein vergleichsweise winziger Dichtungsring beendete de facto die bemannte Raumfahrt. Zwei Jahre zuvor war der Produktionsfehler bekannt gewesen, der die Challenger vom Himmel holte, zwei Jahre lang konnte man ihn ignorieren, indem man die entsprechenden Protokolle einfach nicht las. Als die Booster das Ding in Floridas lichte Höhe schossen, jubelte die ganze Welt. 74,587 Sekunden nach dem letzten Bodenkontakt verendete der Flugsaurier in 16 Kilometern Höhe in einem spektakulären Feuerball. Irgendwer hat die Zeit bis auf die dritte Stelle hinterm Komma gestoppt, als unter den Zuschauern der für diese Situationen übliche Refrain angestimmt wurde: Oh God, ohhhh Goaoaoad, ohhhhhh Goaoaoaoaoad. Was immer damit gesagt sein will. Vielleicht, dass Menschen, die nicht lesen können, sich auch nicht ins All schießen sollten?
In Camp Crystal war erkennbar ein Samenkörnchen auf Gottes Acker gefallen, aus dem sich das giftigste Gewächs entwickeln sollte, das das Universum kennt: der Zweifel. El Shatan, der Diabolus im Paradies unbefangenen Mordens und Schlachtens, der berühmte winzige Stachel, den sich ein Brontosaurus in den Fuß getreten hat, der sich entzündet, durch die Venen und Arterien aufwärts arbeitet, das Ungetüm durchquert, von einem mächtigen Herzen in einen gewaltigen Hals gepumpt, irgendwann die Hirnblutschranke passiert und hinter ihr nichts findet als einen Hohlraum zwischen den Ohren. Wenn das nicht Charlie Chaplin in seinen modernen Zeiten verfilmt hat, man müsste es sofort auf die Agenda setzen. Ich persönlich glaube, dass die Weltherrschaft an einem blonden Barthaar zugrunde ging.
Für mich allerdings war ab diesem Moment alles nur noch hoffnungslos. Denn was nutzt es, einer systematischen Folterorgie entkommen zu wollen, von der vom kleinsten Rädchen bis zum obersten Senatsausschuss jeder Beteiligte weiß, dass sie völlig sinnlos ist? Und trotzdem unbeirrt weiter spindelt, als wäre nichts gewesen? In einem Gastland, in dem die Ignoranz der Tyrannei eine tausendjährige Tradition hat? Genauso gut könnte man sich allerdings auch fragen, warum man sich montags zur Arbeit schleppt, am Freitag ins Fitnesscenter und Samstag nachts auf eine digitale Datingplattform.

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