ALLöF WIRD GUT - Ausgestorben

Es macht sicher keinen Spass, im Winter zu ertrinken. Im Sommer ist das anders, allerdings nicht nachts. Der Rhein gluckert schwarz vor sich hin, schwarz und hungrig. Die große Schlange ist heute nicht ohne Beute ins Bett gegangen. Aber sie könnte noch mehr, das ist gewiss. Ein nasses Grab ist genauso ehrenvoll wie eins mit Blümchen, nur wenn man wie ich der Katastrophe hinterher hinken muss, um in den Orkus zu kommen, wäre das peinlich. Rückwärts vor Lachen vom Stuhl? Sowas in der Art ist exakt mein Style. Also denke ich, zitternd auf meinen Füßen, bloß nicht noch auf einem Stein ausrutschen und vor lauter Fassungslosigkeit über deine wundersame Rettung in einer Lagune kopfüber im knöcheltiefen Modder ersticken.
Die einzige Zeit, in der ein Gentleman im Rhein versaufen sollte, ist an einem lauen Sommerabend zwischen acht und neun mit einer Flasche Schampus in der Hand, bekifft, arschvoll, begleitet vom perlenden Lachen einer sensationell schönen Frau, die sich am nächsten Morgen an nichts mehr erinnert. ALLöF WIRD GUT ...
... auch das mit den Zähnen:

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Sie wird hier herum Loreley genannt. Das ist alles sehr schön romantisch, wenn man so am Boden liegt und in die Sterne guckt. Ich frage mich, was meine amerikanischen Freunde treiben, seit sie am Grund des Rheins zu Hause sind. Naja, gut, Gentlemen wäre das falsche Wort für sie.
Ich putze mir erst mal den Sand aus dem Rock, balanciere aus dem Desaster und schlendere am Ufer lang, die Gegend zu erkunden. Eisen stromauf, wohin auch immer man blickt, in Gegenrichtung das, was es ausgekotzt hat, als es noch Behälter war. Ich gehe, falle, gehe und mache es mir schließlich unter einem Baum bequem. Mammutbaum, man wundert sich heutzutage über gar nichts mehr.
Reisen heißt ja nicht immer, neue Landschaften entdecken, sondern auch schon mal bekannte mit neue Augen. Ich sehe den Rheingraben vor zehntausend Jahren. Gerade sind die Maare ausgebrochen und die Affen aus den Wäldern Afrikas. Und schon sind sie wieder da, wo sie hingehören. ›Bellevue‹ scheint das verfallene Hotel am Fähranleger einmal geheißen zu haben. Der Schriftzug schimmert unter dem kalkigen Weiß der Fassade. Die Türen sind vernagelt, aber durch den Garten geht’s rein. Ich nehme das Kaiserzimmer. Geld spielt keine Rolle. Seit hier die Wanzen wohnen. Das Ding steht leer.

Paar Stunden später gibt’s Frühstück ...

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