ALLöF WIRD GUT - nasses Grab

Ich mache eine Strichliste. Wen ich hasse, wer mich hasst, wen ich im Leben nicht mehr sehen will, wer mir egal ist und wen ich noch kennen lernen möchte. Erschütterndes Ergebnis … drei Einträge in Spalte fünf. Einer davon durchgestrichen, der zweite: (Gott) in Klammern. Den Dalai Lama hatte ich schon unter ›egal‹ verbucht. Hana Kattrin rückt damit nach Spalte vier hin auf, möglicherweise sogar zwei oder besser. Seit einiger Zeit fallen mir kaum noch Namen ein. Praktisch jeder, der mir in den Sinn kommt, leistet nach reiflichem Überlegen dem Dalai Lama Gesellschaft und damit auch Jagger, Armstrong, Morrison, Mozart, Hitler, Stalin und Freud. Nebst an die Hundert Bekannten und Verwandten aus einer Zeit, als es noch sowas wie sentimentale Zuneigung gab. ALLöF WIRD GUT ...
... auch das mit den Zähnen:

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Misanthropie hat was mit der Jahreszeit zu tun. Mit dem Wetter. Und mit dem Tabak, den man raucht. Castro hatte ich schon länger gestrichen. Mit dem hätte ich mir eh keinen Gefallen getan. Kaputte Lunge. Bleibt wenig Luft.
Wenig Luft ist das Stichwort für die drei Mann Besatzung der Kierkegaard. Der dänische Leichter liegt kieloben im Rhein. Zwei der Ertrunkenen hat man bereits geborgen. Der dritte wird gesucht. Ein voll beladener Kahn erinnert verkehrt herum tatsächlich an ein Kirchenschiff. Ein Kirchenschiff, das so eben aus der Wolkendecke ragt, also aus dem Wasser. Man sollte nicht meinen, welcher Art Messen dort zelebriert worden sind. Alles friedlich, fast schon beängstigend friedlich da unten. Am Giebel hocken abgezählte siebzehn Möwen den Kiel entlang aufgereiht, als müßten sie einen geplatzten Reißverschluß zusammen halten. Oder eine lange Schnittwunde klammern. Die Morgensonne glänzt in ihrem Gefieder. Es ist allerdings keine Wunde, sondern ein Streifen Bleimennige, der den Stahl rot einfärbt. Die grüne Schmiere am Rumpf darunter scheint rutschig zu sein, denn die Taucher kommen damit kaum zurecht. Den Möwen macht der Schlick nichts aus. Sie pendeln in der leichten Dünung wie angeklebt. Wundersamerweise hat das Monstrum einen Kiel, was auf Binnengewässern ja eher die Ausnahme ist. Man fragt sich, wer die Kierkegaard gebaut hat und zu welchem Zweck. Der Rumpf macht, von leichten Kratzspuren abgesehen, einen soliden Eindruck. Technisches Versagen würde ich instinktiv ausschließen.

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