ALLöF WIRD GUT - Wochenend-Zugabe

Der Bergungskran bemühte sich, das Wrack herum zu drehen. Bei Niedrigwasser nicht ganz leicht. Die Fähre konnte nicht ablegen. Ein Schild an der Straße leitete den Verkehr in die Wallachei. Diejenigen, die ihrer Satellitentechnik blind vertrauten, stauten mit ihren Wagen die Kopfsteinzufahrt am Anleger zu. Und dieser Stau blockierte die anschließende Straße. Die Straße dann die Zubringer zur Autobahn. Wie es da weiterging, bleibt der Vorstellungskraft vorbehalten. Einiges von dem Chaos im Straßenverkehr hatte bereits nachts meine Träume gesättigt.
Aber davon kriegt man ja selbst kaum was mit. Die Avantgarde im Stau hier unten ließ sich weder vom Schild noch von den Ansagen der Bergungsmannschaft irritieren und täuschte auch kein Umweltbewusstsein vor. Ihre Motoren brummten seit Stunden erwartungsfroh im Stehen vor sich hin, denn jeden Moment konnte es schließlich losgehen. Dann wären die Fünftausend Tonnen Stahl aus dem Wasser gezogen und flottgemacht und die Fähre am Platz, wo sie hingehört, um Autos zu fressen, deren Eigentümer auf die andere Seite wollen.

Wasser hat es nicht leicht mit uns. Wenn wir es besteigen, dann meistens mit dem Ziel, möglichst schnell wieder woanders festen Boden unter die Füße zu kriegen. Die Gerätschaften, die wir ersinnen, um dabei trocken zu bleiben, ähneln halben Flaschen. Zum Kentern geradezu geschaffen. In punkto Ästhetik hat sich auch seit etwa fünftausend Jahren kaum etwas getan. Nur größer sind sie geworden, die nautischen Maschinen, plumper und damit schwerer zu bergen. Hundert Meter lang, siebzehn Meter breit, man kann sich kaum vorstellen, dass sowas schwimmt. ALLöF WIRD GUT ...
... auch das mit den Zähnen:

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Und dass in den Kisten an Bord weder Ersatzteile noch Lampenschirme oder Campingliegen transportiert wurden, sondern ein schwimmendes Foltercamp. Eine Möwe steigt träge in die Lüfte auf, eine andere nimmt ihren Platz ein, als hätten sie sich abgesprochen.
Der Rhein ist eine internationale Wasserstraße. Wahrscheinlich gilt an Bord das Recht des Staates, dessen Flagge gerade am Heckmast hängt; solange sich der Kapitän in der Fahrrinne hält, möglicherweise nicht mal das. Elegante Lösung für unser kleines Menschenrechtsproblem.

Wie war das noch mit Jack Londons Robbenschoner und Wolf Larsson, seinem Kapitän? Es gilt das Recht des Stärkeren, solange der nicht gerade einen Hirntumor hat. Was aber wenn alle Hirntumore haben? Ist dann der Gesunde verrückt? In diesem Falle wäre ich das. Und von ›gesund‹ kann nicht die Rede sein. Verwirrendes Szenario. Irgendwie muss das Unternehmen dann vom Kurs abgekommen sein. Und dafür, bin ich mir sicher, wird das Expertenteam unten auch eine Erklärung finden. Ursachenforschung für den Unfallbericht und eine Ladeliste fürs Protokoll. Schätze, die Container bleiben verschlossen, bis sie in den Staaten wieder festen Boden unter den Füßen haben. Oder man schiebt sie auf hoher See über Bord. Exterritorialer Status ist nicht nur für Botschafter gut.

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