ge-drop-boxt

Ein Schlag in die Rippen fühlt sich in etwa so an, wie wenn man drei Minuten lang das Atmen vergisst. In sechzig Metern Tiefe. Mit Kies im Magen. Das Gefühl gleicht dem, das der Einsteiger in die Smarte Welt der Phöner erlebt, wenn ihm klar wird, dass die 50 Mb von Movieclips, die er gerade zum Spass gedreht hat, um sein neues Handy auszuprobieren, per Datenstrom einmal um den Globus expediert wurden, um jetzt in Redmond gecloud(ed) zu werden. Eine Rechnung von etwa gleich vielen Mb in Euro erwartend, macht sich der User nun an die Einstellungen des Megabyteflusses und erlebt dabei möglicherweise die datische Apokalypse. Erkenntnis: man hat sich mit der Inbetriebnahme des neuen Geräts selbst veröffentlicht, und das in jeder erdenklichen Weise.

Hört mich einer? JETZT? ... ab? Wer sieht durch meine Selfie-Cam in diesem Moment meine Sorgenfalten wachsen? Der Idiot ist der griechische Privatmann. Er hielt sich aus den Staatsaffairen (lat: res publicae .. Republik) heraus und war deshalb schon im geistigen Hintertreffen. Privat. Denn wer die Sache des Staates zu seiner eigenen machte oder sich selbst zum Staat (l'etat c'est moi), der war dem Einfältigen um einige Falten voraus. Und zu allen Zeiten galt: Wissen ist Macht. Google hat das früh erkannt und Snowdens NSA zu einer geradezu lächerlichen Bagatelle kleingeschrumpft, indem es sich selbst mittels einer ganzen Reihe taktischer IT-Massenvernichtungswaffen in jede Tasche (des Gehirns) aller Menschen hinein aufblähte.

Wir haben die maps, die alle Straßen kennen, alle Plätze, Häuserfronten, gefilmt von oben, unten, durch die Fenster ins Wohnzimmer hinein. Wir haben die gescannten Bücher, deren Inhalte selbst den Autoren kaum noch bekannt sein dürften. Wir haben Kreuzverweise und Verlinkungen, wie sie selbst die RAF nicht fürchten musste. Wir haben Cookies und Co. und damit das gläserne Verhaltensmuster, und wir haben Dropbox und Konsorten, das Computern in den Wolken. Ungehinderten Datenzugriff für jeden, der weiß, wie es geht. Und gegen jeden, der nicht weiß wie es sich vermeiden lässt. Und das sind praktisch alle. Naja, und jetzt habe ich persönlich noch den Androiden in der Tasche, der das ganze wie ein Herzschrittmacher den elektronischen Pulsschlag überwacht und regelt.

Man kann eine Person anhand seines Fingerabdrucks identifizieren, anhand eines biometrischen Bildes, des Gebisses aus der Zahnarztkartei und der Gensequenzen. Das wissen wir. Was viele nicht zu wissen scheinen, ist, dass man einen Menschen auch bereits durch eine Handvoll seiner Gewohnheiten identifizieren kann. Habituell. Nehmen wir den Typen, der Montags immer in der Apotheke ein Rezept für Baldriantabletten abgibt, eine Currywurst isst und Jeans in Übergrößen im Outlet kauft. Der ist bereits erfasst. Man braucht weder Namen noch Genealogie. Wenn man den irgendwann mal irgendwo auf der Welt aufspüren will, kriegt man ihn per Currywurst, Outlet und Baldrian zu fassen. Auf diese Weise funktionierte Rasterfahndung. Und zwar erstaunlich gut, wie jedes Produkt, dessen Entwicklung, ja, leider, seine Wurzeln in der dunkelsten Epoche der deutschen Geschichte hatte.

Effizienz:

Man hat Terroristen in Brasilien aufgespürt, weil man wusste, welche Zeitungen sie lesen, dass sie Ferngespräche führen, in welcher Höhe in wie grossen Appartements mit welcher Verkehrsanbindung sie bevorzugt wohnen. Zack, Zugriff. Was weiß Google über uns? Tja, oder? JETZT wird es kalt in den Füßen! Sie wissen alles. Blödsinn, in die Geschäftsbedingungen zu schreiben, dass Daten nur anonymisiert gespeichert werden. Wozu Klarnamen verwenden? Braucht man nicht. Deckname android-1234567890-xyz mit Vertrag bei Provider-x ist mehr als ein Fingerprint.

Jetzt kommt für gewöhnlich die Frage: Was machen wir denn nun? Dagegen? Antwort: nichts. Gut gemeinte Ratschläge kann man sich gezielt in den A... cremen, heißt es so schön im Film. Die Verhaltensregeln zum sogenannten Datenschutz kann und sollte man beachten, aber das hilft nix gegen das Monster, nicht wirklich. Nur virtuell gegen das Gewissen. Wir haben unsere Seele per Handyvertrag an den Teufel vermakelt, das ist Fakt. Und der hat sie längst millionenfach weiter veräußert. Es gibt allerdings tatsächlich noch Hoffnung. Und die kommt anders, als man denkt.

Information ist Ordnung im physikalisch-naturwissenschaftlichen Sinn. Information ist beispielsweise das hier: Polizeinotruf: 110. Wie kann eine solche Information zerstört werden? Durch das hier: Polzineitonruf (jetzt neu): 011. Wir nennen es gezielte Desinformation. Aber man kann auch ungezielt desinformieren. Indem man beispielsweise JEDE Nummer als Notrufnummer angibt, jedes Foto hochlädt, zweihundert Schulen für seine Ausbildung in facebook angibt, zwanzig Wohnorte, von denen keiner stimmt, usw. Information erstickt in Nullinfo. Daher ein guter Vorsatz: ladet Katzenbilder hoch, was das Zeug hält! Je mehr Schrott auf den NSA-Servern lagert, desto mühsamer wird man das Gold der Information aus den Datenströmen waschen.

In diesem Sinne: frohes Dropboxen!