Ich werde verrückt mit meinen Telefonen

Kennen Sie das? Das Telefon klingelt. Sie gehen ran, sagen Hallo, Hallo, Hallo. Tot.

Ein kleines, smartes Ding, das wirklich alles kann. Nur nicht mit mir sprechen. Es zeigt mir den Weg in den dunklen Ardennen. Flüstert mit sanfter Stimme: Bei nächster Gelegenheit bitte wenden. Wenn man zu schnell fährt, pfeift es heftig wie ein Bobby an der Ampel. Es kennt sich in Großbritannien aus und in Spanien jeden Schleichweg. Es weiß sogar, dass man die kleine Piste durch den Wald in den Nachbarort gesperrt hat. Es kann mir Auskunft geben über die seltsamsten Exponate im Louvre und warnt mich vor schlechtem Wetter mit einem Regenschirm. Es weiß, wie warm es gerade in Punta Umbría am Strand ist. Es weist mich bei der Bank als treuen Kunden aus. Es kann Geld transportieren und mir die Geburtstage von Leuten nennen, die ich seit zehn Jahren nicht mehr gesehen habe. Es kennt die MONDPHASEN! Es kann wirklich alles, nur nicht mit mir sprechen.

Denn der Akku ist leer. Und das immer. Immer! Ich lade ihn auf, bis das Ding platzt, am nächsten Morgen Null. Doch warum? Naja. Sie haben Bluetooth aktiviert, das zieht Strom. Und ich sehe gerade, es hat seine Software aktualisiert. Dann ist das kein Wunder. Wozu, frage ich mich, brauche ich ein Smartphone, wenn es immer an einem Kabel befestigt sein muss?

Aus dem gleichen Grund, warum das Mobilteil vom Festnetz immer in der Station stecken muss. Um dann, wenn man es herauszieht, sofort zu sterben. Hallo, Hallo, Hallo? Ja, die Akkus sind überladen. Das schadet ihnen. Sie müssen das Mobilteil aus der Station nehmen und liegen lassen, bis die Akkus entladen sind, dann erst dürfen Sie ...

Und niemals ganz laden. Aber sie sind dann leer. Und wenn ein Gespräch hereinkommt, müssen sie erst wieder auf die Station. Ja, da liegt das Problem. Aber sehen Sie es mal so: Sie haben ja Festnetz UND Mobilfunk.

Richtig.

Im letzten Jahrtausend erfand eine Japanerin das Tamgotchi. Ein völlig nutzloses Ding, das ständig gehätschelt werden wollte. Und jetzt haben alle eins. Nein, was sage ich: wir haben zwei. Mindestens. Und wenn wir sie gut behandeln, vermehren sie sich noch. Sie lernen schnell und vergessen noch schneller. Und irgendwann werden wir nur noch an der Steckdose stehen und sie versorgen.

In Spanien während der Reiseleitungen hatten wir Mobils aus der Steinzeit. Sie waren kantig und derb und konnten nix. Und sie waren immer in Betrieb. Manche liefen regelrecht heiß beim Austausch der Informationen und Daten. Wie konnte das sein? Nun, meine persönliche Theorie fußt auf dem Umgang. Denn wenn eins nicht tat, was es sollte, wurde es umgehend ausgetauscht. Das sollte ihnen eine Lehre sein. Wenn du nicht spurst, dann fliegst du in den Müll.

Die Drohung jedenfalls wirkte. Irgendwann gaben die Handwärmer ihren Widerstand auf. Wie macht man es aber richtig? A) immer eine externe Ladestation dabei haben. Dann weiß das Mobil, dass man es zwangsernähren kann. B) das Ding nicht mehr unbeaufsichtigt spielen lassen. C) radikal einfach alle Kontakte einstellen und das Gespräch mit seinen Partnern mündlich führen.

Lösung-C hat für sich, dass man sich bei dieser Gelegenheit über Smartphones beschweren kann und wie sie unser Leben zu bestimmen versuchen. Man kann sich schulterklopfend daran erinnern, dass Menschen über der Technik stehen. Sie besiegen, wenn sie sich von ihnen unabhängig erklären. Und man kann neidisch auf die Kids blicken, die das alles im Griff haben. Fragen stellen wie: Wie machst denn du das? Und zur Antwort kriegen: Neuestes iPhone. Oder so.

In Wahrheit haben sie nämlich uns im Griff. Ich persönlich glaube, man hat herstellerseitig was eingebaut, um dafür zu sorgen, dass der Kunde alle fünf Jahre seinen Fuhrpark aktualisiert. Sprich: ein neues kauft. Wie mit den Druckern, die ihre Seiten zählen und bei zehntausend Tschüss sagen. So wird es auch mit den Telefonen sein. Also spricht es doch mit mir.

Einfachster Rat: Nachts immer an die Leitung. Kostet CO-2, aber spart Nerven. Mehr fällt mir im Moment nicht ein. Halte euch auf dem Laufenden. Wenn's geht ...