ALLöF WIRD GUT - Das Schottische Vakuum

Den ganzen Montag vormittag lang tue ich das, was jeder tut. Ich ärgere mich über meine Arbeit. Und darüber, dass ich sie nicht machen kann. Mein Defizit an Motivation versuche ich mit Koffein zu stopfen. Ich bin mittlerweile dermaßen vernarrt in die Theorie vom Fluch des verwunschenen Toyota, dass ich mich als Prügelknabe einer intellektuell überlegenen Verbrennungsmaschine empfinde. Leider ist der Corolla als Holländer an sich und seiner inneren Werte wegen durch und durch verlogen. Ich erwärme mich an dem Gedanken, dass in diesem Moment in einer Polizeigarage ein Experte das Auto in kleine Scheiben zersägt und ihm so Schräubchen für Schräubchen auch das letzte kriminelle Geheimnis entlockt. Zwischendurch, wenn ich in meinen heißen Kaffee blase, überlege ich mir praktischeres Zeugs, wie zum Beispiel, ob und wer meine Anschlussbehandlung beim Psychiater bezahlen wird.
In der Bibliothek erreicht mich die Nachricht, dass in meinen Fall doch noch überraschend Bewegung gekommen ist. Hana Kattrin war fleißig. Sie hat es erreicht, dass ich nun nicht mehr als Flüchtling, sondern als menschliche Fundsache gehandelt werde. ALLöF WIRD GUT ...
... auch das mit den Zähnen:

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Statt Safi Raid habe ich nun einen Barcode auf der Akte. Eingeleitet durch die Matrikel ›U-‹ für unbekannt. Das entsprechende Schriftstück gleicht dem Laufzettel, den der Chefarzt in einem Krankenhaus seinen Patienten in die Radiologie mitgibt. Formulare sind Schriftstücke für Dinge, die man gerade nicht weiß. Überall Kästchen, in denen Buchstaben und Zahlen fehlen. Leere Zellen in einem auf A4 genormten Trakt. Soll ich mir das Ding jetzt in die Tasche falten? Oder meinen Kaffee damit rühren?
Rutherford hat seinerzeit erstaunliches bewiesen: Wenn man von der Materie all das entfernt, was nichts enthält, dann bleibt so gut wie nichts übrig. Atome sind deshalb atom, also unteilbar, weil sie praktisch aus Nichts bestehen. Ich fühle mich momentan so, wie sich Rutherfords Atome fühlen mussten, als er ihnen das Badelaken weg riss und aller Welt zeigte, was sich darunter verborgen hatte. Warum nur tanzen mir Schottenkaros vor den Augen, wenn ich in meinen Atomkaffee starre? Die X-Files der U-Haft, der Schotte im Rock und das Vakuum im All führen mich nahtlos zur Frage, wie Unseresgleichen sich politisch korrekt nennen sollte. Sagen wir, wenn man zum Beispiel einen Lebenslauf verfasst: Häftlinge, Insassen, Delinquenten, …?
Schotten übrigens wegen ihrer sprichwörtlichen Sparsamkeit.

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