ein hartes Stück Arbeit

Vor einigen Jahren bin ich in München mal einem Typ begegnet, den die erhabene Wissenschaft wie mich auf halbem Weg ausgespuckt hat. Weltfremd, aber engagiert und freundlich versuchte er, wenigstens bei den Jüngeren Zuspruch für seine Ideen zu finden. Ein Misanthrop wie ich würde das von Anbeginn lassen. Aber in ihm brannte das Feuer eines Prometheus, dem jeden Morgen der Adler am Kaukasus die Leber frisst. Besser wäre es zu saufen, aber ihn hatten die Ufologen angepickt. Wenn man von weitem hinsah, erkannte man unschwer, dass ihn die rechte Szene schon in ihren Netzen verstrickt hatte. Man wird so schnell vereinnahmt, wenn man gegen etwas ist. Bevor du begreifst, was du tust, klebst du an der Straße oder rechts neben der Straße im Sumpf. Die Frage ist dann nicht mehr, wofür du bist oder wogegen. Das Kalkül ist nur noch, dass. Dass du deinen unterdrückten Zorn hast, den jemand für sich nutzen kann. Und gegen das andere, das du am meisten hasst. Das Andere bist du, und der Umsturz, den sie anzetteln, wird dich Kopf und Kragen kosten. Denn die braunen Vögel brüten ihre Eier im Sumpf aus, ohne dass der Sumpf ahnt, was da schlüpft. Sie erheben sich, fliegen über das Land und bauen ihre Nester da, wo es noch schön ist. Die leeren Schalen bleiben wie immer am Wegrand zurück. Ich mochte den Kerl in den Jesuslatschen, und viele andere, die wie er sind und auf der Strecke bleiben. Vielleicht weil sie zu schnell marschieren, und grundsätzlich in die falsche Richtung. Sie wissen nicht, was sie tun. Wenn die Geier über deinem Kopf kreisen, bist du meist der letzte, der sie sieht. Jedes Mal, wenn ich frisch gewaschen in die Sozialen Netze gehe, fallen mir seither die Kommentare auf, mit denen sich Freunde von falschen Freunden zu distanzieren versuchen. Das Bashing wirkt fast, als wollten sie Schmeißfliegen aus ihren Küchen verscheuchen, indem sie sie lautstark beschimpfen. Instinktiv frage ich mich: Warum tragen sie nicht einfach den Müll raus, dann wäre das Problem mit den Plagegeistern gelöst? Dann fällt mir der Typ aus München wieder ein. Er ist überfordert. Es hat sich soviel Dreck angehäuft, dass man ihn nicht mehr rausschaffen kann. Jammern, Klagen und Schreien hilft da auch nicht weiter. Man fuchtelt nur mit der Fliegenklatsche, bis der Zorn verraucht. Es stinkt überall, das wird nicht besser, wenn wir Parfüm draufgießen. Manche suhlen sich geradezu begierig im Dreck und wünschen, dass ihre Hauptstadt wieder ein Babylon wird. Andere üben sich im unterwürfigen Gebet, dass man einen Herkules entsenden möge, den Stall auszumisten. Die Zeiten ändern sich nie. Man kann sich schon fast einen Orden an die Brust heften, wenn man dagegen keine Konzepte hat. Unter der Brücke mit der Flasche in den Hand scheint immer noch besser als mit Pflastersteinen in den Bundestag. Aber wenn man seinen Felsbrocken jeden Morgen den Berg rauf schiebt in der Hoffnung, dass er nicht jeden Abend wieder in den Sumpf zurück rollt, dann hat man doch zumindest eins, das bleibt. Das ist die Hoffnung. Es ist das Nie, das an der Einsicht stört, dass Zeiten sich nicht ändern. Vielleicht bin ich doch nicht zum Misanthropen geboren. Ein frischer Morgen, frische Kraft, wie gemacht dafür, Steine den Berg hinauf zu rollen. Ich krempele die Ärmel auf und gehe ans Werk …