ALLöF WIRD GUT - Gerüchteküche

Ich gehe in Gedanken immer wieder die Frage durch, wer jetzt anstatt meiner hier drin sein sollte. Was für ein Typ das wohl ist, welche Motive ihn treiben, und ob er überhaupt existiert. Ich überlege, wie ich an Wolodja kam, was es mit dem Vorleben des Toyota auf sich hat, und welches düstere Geheimnis Simon vom Schrott vor mir und der Welt verbergen könnte. In meinem Kopf läuft ein Film, in dem sich ein Richter und ein Staatsanwalt über mich duellieren, während meine Anwältin wie immer zu spät kommt. Das ganze endet nie in einem Freispruch, mehr in einer Art dünner Erklärungsbeilage zu Curryhuhn auf Reis. Das Essen hier drin ist übrigens besser als das bei mir zu Hause.
Den Pusztasalat hätten sie sich sparen können. Ich glaube, dass die Sellerie das Problem ist. Das ungarische Rübengeschnitzel kann nur übersäuern. Wolodja war ein heißer Tip von dem Kerl, der mit Armeelastern handelt. Der trifft sich freitags beim TÜV immer mit dem, der früher an der Trasse die Tankstelle hatte. Da ist der Reifenhändler drin, dessen Jüngster Biker ist und Rennen fährt. Was der an Ersatzteilen nicht bei Yamaha kriegt, holt er sich beim Simon vom Schrott. Aus dieser Pipeline stammt auch die BMW, die eigentlich ein 125er Reishopser sein sollte. So irgendwie hängt das zusammen.
ALLöF WIRD GUT ...
... auch das mit den Zähnen:

Sie lesen hier
den Roman in Episoden

Premiumleser wissen mehr: hier für 9,99€ das Taschenbuch
Der Tip, die beiden anzusprechen, sollte von Sheng gekommen sein. Simon schwört auf mongolisches Essen. Er geht nicht aus und isst, er schwört nur drauf. Sheng ist der Koch, auf dessen mongolisches Essen Simon schwört. Sheng kocht in einem Betrieb, der seiner versteckten Lage im Wald wegen als Abschreibungsunternehmen in aller Munde ist. Irgendwie hängt da Lars mit drin. Wahrscheinlich aus steuerlichen Gründen. Gegessen hat in dem Laden noch niemand, den ich kenne. Aber es soll gut sein. Möglicherweise kann man im Knast eine Ausbildung zum Koch hinlegen. Dann kommt man als gemachter Mann wieder raus. Steuerlich absetzbar als Werbungskosten. Vielleicht sogar als Anwalt.
Rein statistisch gesehen, werde ich mein Dilemma nicht vor dem Morgengrauen bewältigt haben. Jeder fünfte Chinese heißt nämlich Sheng. Und jeder sechste Mensch ist Chinese. Motorradfahrer und Russen gibt es auch wie Sand am Meer, und Schrottplätze waren schon immer bekannt für ihre hohe Fluktuation an Mensch und Material. Und was meinen Kumpel Lars angeht, suggeriert ›Kumpel‹ wohl ein intimeres Verhältnis, als meine eigene kleine Kosten-Nutzen-Relation vertragen kann. Sagen wir also: Wolodja hat eine Karre in Zahlung genommen, weil ein holländischer Kunde nicht flüssig war. Der Kunde könnte Raid gewesen sein. So in der Art werden die Dinge lagern. Nur was hat es noch mit dem Pusztasalat auf sich? Ach so, Sodbrennen. Hätte Koch werden sollen. Dann brauchte ich meinen eigenen Fraß nicht zu essen.

-- Fortsetzung folgt -- Anfang hier --