ALLöF WIRD GUT - auch das mit den Zähnen

Für meine treuesten Fans, die Hardcoreoptimisten, in deren Buchregal die Big-Lebowski-DVD neben Isabel Allende, Eschenbach, Marquez, Faust und Doug Adams steht, sollte ich einen versöhnlicheren Schluss erwägen, sagt Lektor nach unserem sechsten oder siebten Bier mit der Verunsicherung in der Stimme eines abgeschlossenen Literaturwissenschaftlers, der niemals praktiziert hat. Mahnende Worte gehen mir somit auf dem Heimweg durch den Kopf, als ich im Wald auf schmalem Asphalt dem Traktor begegne. ›Sturmtief Paul‹ hat die Seinen Mores gelehrt, sodass der Bauer nun Abend für Abend an den Wetterprognosen äst wie eine Wüstenspringmaus an der Klapperschlange. Immer zum Sprung bereit, wenn es irgendwo doch noch rasselt, setzen die Landwirte ihre Turbodiesel in Gang, sobald die Kachelmänner was von Niederschlägen nuscheln. Offenbar hat jemand aktuell die Regenneigung auf achtzig Prozent beziffert. NATO-Alert-State orange. Alle Nebenerwerbslandwirte der Region, das sind just auch etwa achtzig Prozent, holen jetzt aus den letzten drei Sonnenstunden den zweiten Heuschnitt raus. Um zu retten, was noch zu retten ist, mit dem breitesten Gerät, das zur Verfügung steht, und dem Tempo, mit dem es am Nürburgring über die Ziellinie geht. Der Bauer, der mir entgegen kommt, hat wohl versäumt, sein Mähwerk einzuklappen.

Als es hell wird um mich her, steht ein weisser Kittel vor meinem Bett und beruhigt meine Nerven. Was er sagt, verstehe ich nicht. Ich bin damit beschäftigt, unter der Decke nachzuforschen, wie weit sich mein Körper nach der Begegnung im Wald noch nach unten hin erstreckt. »Keine Angst«, sagt der Dokter, »Sie haben das alles nur geträumt.« »Alles?« frage ich. Doch der Schlauch in meinem Mund macht aus dem letzten ›S‹ ein ›F‹. »Flüffignahrung?« »Keine Angst«, wiederholt der Arzt, »das mit den Zähnen kriegen wir wieder hin.« »Fein«, denke ich, »allöf fird gut.«