a continuación …

Ein Gedanke, der mich für die nächsten über zwanzig Kilometer nicht loslässt. Am Morgen schon war ich in Fuente mit gemischten Gefühlen gestartet. Mein Knie hatte sich gleich beim Aufbruch gemeldet. Zudem hatte ich in der Nacht keine Erholung finden können. Die Temperatur in dem kleinen Räumchen stieg bis etwa um eins-zwei in der Nacht stetig an, die Luft stand, man fand keinen Sauerstoff zum atmen. Die Beine rasten vor Schmerz. Um sechs Uhr hatte ich aufgegeben, in den nassgeschwitzten Laken nach Erholung zu suchen und mich auf den Weg gemacht. Und schon nach einer Stunde hatte sich der Schmerz ins rechte Knie gefressen wie ein Bockkäfer. Es ging beständig über Asphalt, denn die Nebenstrecke wollte ich meiden. Mein Vorhaben war, den nächsten Ort auf etwa sechs Kilometern zu erreichen und dort dann zu bleiben. Der Ort heißt Calzadilla de los Barros. Es ist ein sehr kleiner Ort, direkt an der N-630 gelegen, der Nationalstraße, die die römische Via de la Plata ersetzt oder überpflastert. Der Ort jedoch ist nahezu ausgestorben, als ich ankomme. Geschäfte, Restaurants scheint es nicht zu geben, lediglich ein wundervoll gelegenes Refugium für Jakobswanderer direkt an einer kleinen Eremitá am Ortsrand.

Ich entschließe mich spontan, bis zum nächsten Ort in gleichwelcher Richtung weiter zu gehen, das ist in meinem Fall das Pueblo mit dem einladenden Namen Medina de las Torres. Einen Ort, der einen so schönen arabisch-spanischen Namen trägt, muss ich gesehen haben, und soweit die Reiseführer schreiben, gibt es dort auch eine sehr gute Herberge. Auf dem Weg dahin werden die Dehesas abgelöst von Pfirsich- und Weingärten, Olivenhainen und schließlich einer gewaltigen Solarparkbaustelle. Soweit man sehen kann, graben, versenken, installieren, vermessen, planieren und bohren Bauarbeiter an der Zukunft. Doch die Panele stehen noch in Wartestellung. Gelber Staub hüllt sie ein, und die Arbeiter, so viele es sein mögen, verlaufen sich in dem riesigen Areal zu kleinen Gruppen Unermüdlicher in einer Wüste aus frisch planierter Erde. Unwillkürlich fallen mir wieder die Rodungsarbeiten ein, die ich nach Guillena in den Olivenhainen gesehen hatte. Es werden Quadratkilometer vollständig von Vegetation befreit. Ich gehe, gehe und gehe und komme doch kaum voran durch den Halbleiterpark. Meine verrückten Gedanken kreisen um die Frage, wer den Wald von Panelen sauberwischen wird, bevor sie in Betrieb gehen können. Tausende von Fensterputzern, die dort anfangen, wo sie vor einem Monat aufgehört haben? Der Solarwald ist schier endlos, bis es irgendwann dann doch einmal an den Ortsrand von Medina de las Torres heran geht. Und mir nun vollständig die Füße versagen. Das Knie schmerzt mit der Wucht eines unter die Kniescheibe gerammten Fleischerbeils. Jeder Schritt scheint irreparablen Schaden anzurichten. Ich bin froh, die Herberge schnell zu finden. Und dann die Enttäuschung: sie hat zu.